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MKG-Abrechnung: Warum EBM und GOÄ gleichzeitig so komplex sind. 

 |  Marlis Lafrentz

» Zwischen den verschiedenen Gebührenordnungen liegt für MKG-Praxen oft ein echter Spagat. «

MKG-Praxen bewegen sich tagtäglich zwischen verschiedenen Welten: der vertragsärztlichen Abrechnung nach EBM und der privatärztlichen Abrechnung nach GOÄ. Was auf dem Papier klar geregelt aussieht, wird im Alltag schnell zur Herausforderung – vor allem, wenn zusätzlich noch die zahnärztliche Abrechnung nach BEMA und GOZ ins Spiel kommen.

Warum fühlt sich die Abrechnung im MKG-Bereich für viele so kompliziert an? Und was steckt strukturell dahinter?

In der MKG-Abrechnung vereinen sich 4 Gebührenkataloge, die unterschiedlicher kaum sein können. So kennen wir im Bema und der GOZ das Einzelleistungs- bzw. Sachleistungsprinzip. In der ärztlichen Abrechnung finden wir eher Pauschalen und Zielleistungsprinzip. Dies macht die Abrechnung extrem kompliziert und benötigt fachlich gut ausgebildetes Personal um die entsprechenden Vorgaben korrekt umsetzen zu können. 

Warum ist MKG-Abrechnung überhaupt so anspruchsvoll?

Eine berechtigte Frage.

MKG-Chirurgen haben durch ihre Doppelapprobation als Arzt und Zahnarzt Zugriff auf mehrere Honorierungssysteme: EBM und BEMA im GKV-Bereich, GOÄ und GOZ im Privatbereich. Genau darin liegt die Stärke – aber auch die Komplexität.

Denn jede dieser Ordnungen folgt eigenen Regeln:

  • eigener Anwendungsbereich (GKV vs. privat)
  • eigene Systematik (Pauschalen vs. Einzelleistungen)
  • eigene Prüf- und Kürzungsmechanismen

Kurz gesagt: Es reicht nicht, „die Ziffern zu kennen“. Entscheidend ist, in welcher Konstellation welche Ordnung überhaupt angewendet werden darf.

EBM und GOÄ: Zwei Systeme – zwei Logiken

Auf den ersten Blick wirken EBM und GOÄ ähnlich: In beiden werden ärztliche Leistungen über Gebührenordnungspositionen bzw. Ziffern abgerechnet. In der Tiefe unterscheiden sie sich aber deutlich.

Ganz grob:

  • EBM:
    • regelt die Abrechnung vertragsärztlicher Leistungen mit der GKV
    • ist stark pauschaliert, Budgetierung und Wirtschaftlichkeitsgebot spielen eine große Rolle
    • die Abrechnung wird von der KV geprüft
  • GOÄ:
    • regelt die ärztlichen Privatleistungen
    • es gilt das Zielleistungsprinzip, Steigerungsfaktoren ermöglichen eine Anpassung an den Aufwand
    • die Prüfung erfolgt in der Regel über die PKV‘en, Beihilfe oder den Patienten selbst

Für MKG-Praxen bedeutet das: Die gleiche medizinische Leistung kann – je nach Versicherungsstatus und Setting – nach völlig unterschiedlichen Regeln abgerechnet werden.

Wo entsteht die eigentliche Komplexität im MKG-Alltag?

Die Komplexität entsteht nicht nur aus der Anzahl der Kataloge, sondern vor allem aus den Schnittstellen.

Typische Herausforderungen:

  • Wechsel zwischen GKV und Privat
    • Wann wird ein Eingriff nach EBM/BEMA abgerechnet, wann nach GOÄ/GOZ?
    • Welche Bestandteile sind GKV-Leistung, was ist privat zu vereinbaren?
  • Unterschiedliche Regeln je nach Fallkonstellation
    • ambulante Operation in der Praxis, belegärztliche Tätigkeit, stationäre Mitbehandlung: oft gelten jeweils andere Abrechnungswege.
  • Unterschiedliche Definitionen von „Behandlungsfall“ und Zeiträumen
    • im EBM quartalsbezogen, in der GOÄ zum Teil monatsbezogen – das beeinflusst, wann welche Leistungen erneut berechnet werden können.
  • Strenge Wirtschaftlichkeitsprüfung im EBM vs. aufwandsbezogene Abrechnung in der GOÄ
    • was im Privatbereich gut begründet steigerbar ist, kann im GKV-Bereich durch Budgets und Richtgrößen begrenzt sein.

Damit wird schnell klar: MKG-Abrechnung ist nicht einfach „kompliziert“ – sie ist strukturell komplex und verlangt ein tiefes Verständnis für die Logik und Prüfmechanismen beider Systeme.

Was bedeutet das für Ihre Praxis – ganz praktisch?

Im Alltag führt diese Komplexität zu ganz konkreten Risiken:

  • Leistungen werden falsch zugeordnet (EBM statt GOÄ oder umgekehrt).
  • abrechnungsfähige Leistungen werden gar nicht oder zu niedrig angesetzt.
  • Fristen, Fallkonstellationen oder Zuschläge werden übersehen.
  • die Dokumentation bildet nicht sauber ab, warum welche Ziffer gewählt wurde.

Die Folge: Honorar bleibt liegen – oft, ohne dass es jemand sofort merkt. Gleichzeitig steigt das Risiko für Prüfungen, Rückfragen und Kürzungen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht:
„Ist MKG-Abrechnung kompliziert?“
Sondern: „Wie gut versteht mein Team die Regeln hinter EBM und GOÄ – und weiß es, wann welches System greift?“

Die Erfahrung zeigt: Das Wissen einer „klassischen“ ZMV reicht für diese Tiefe oft nicht aus – hier braucht es spezielle MKG-Kenntnisse und jahrelange Erfahrung in EBM und GOÄAbrechnung, um das volle Honorarpotenzial sicher auszuschöpfen.

Können Sie Ihre Abrechnungen einfacher umsetzen?

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alles im Kopf haben – und schon gar nicht alleine lösen.

Was hilft im Praxisalltag:

  • klare Entscheidungswege: Wer legt fest, ob EBM, BEMA, GOÄ oder GOZ angewendet wird?
  • übersichtliche Checklisten und Schnellübersichten für typische Eingriffe und Fallkonstellationen.
  • regelmäßige Schulungen speziell für MKG-Abrechnung, nicht nur allgemeine EBM- oder GOÄ-Seminare.
  • moderne Software- und KI-Lösungen, die bei Zuordnung, Plausibilität und Dokumentation unterstützen.

Wichtig ist vor allem eines: Ihr Team braucht nicht nur Ziffern-Wissen, sondern System-Wissen. Also das Verständnis, warum im konkreten Fall EBM oder GOÄ (oder BEMA/GOZ) angewendet wird – und welche Folgen das hat.

Fazit

MKG-Abrechnung ist komplex, weil sie ärztliche und zahnärztliche Abrechnungssysteme miteinander verbindet – mit unterschiedlichen Regeln, Prüfmechanismen und Honorarlogiken. Wer hier nur „nach Bauchgefühl“ abrechnet, verschenkt schnell Honorar und riskiert Konflikte mit KVen, PKV oder Patienten.

Mit klaren Strukturen, gezielter Schulung und der richtigen Unterstützung lässt sich diese Komplexität jedoch beherrschen – und in einen echten Vorteil für Ihre Praxis verwandeln.

Ihr Team von Lafrentz Abrechnungsservice

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